10. August 2014

Merkwürdiges Konzert - Hospiz im LudwigPark feiert 5-jähriges Jubiläum

Manchmal passieren wundersame Dinge im LudwigPark in Berlin-Buch. Im wahrsten Sinne des Wortes Merk-Würdiges. Zum Beispiel ein Konzert im Hospiz.

An einem lauen Sommertag im August dieses Jahres versammeln sich vor dem Hospiz Menschen, die sich aus der alltäglichen Arbeit zu kennen scheinen. Der Anlass - das Hospiz feiert sein 5-jähriges Jubiläum und will allen Helfern, Geschäftspartnern und Mitarbeitern für ihre Arbeit danken. Denn ohne sie könnte es nicht existieren.

Die Leiterin des Hospizes, Babette Oberfeld, begrüßt alle Gäste, die Zeit und Lust hatten zu kommen. Sie ist angenehm aufgeregt und ehrlich ergriffen, wenn sie über die nicht alltägliche, ungewöhnliche Arbeit ihres Hauses mit einer Tür in die Ewigkeit spricht. Ihre Bewohner nennt sie liebevoll Gäste. Es sind Schwerkranke und Sterbende, die mit Hilfe ihrer Familien ihre letzte Lebenszeit hier verbringen, fern von jeder Krankenhaushektik ohne wirkliche Zeit für die Kranken.

Die Idee - palliativ care - wird hier nunmehr schon seit fünf Jahren praktiziert. Am 12. Juli 2009 hat das Hospiz im LudwigPark unter der Trägerschaft des Humanistischen Verbandes Deutschlands Berlin seine Arbeit aufgenommen. Damals das zehnte seiner Art in Berlin mit 16 Pflegeplätzen.
Hier steht nicht die Schmerzbehandlung im Mittelpunkt, sondern der Mensch, der Schmerzen hat. Schwerkranke und Sterbende zu pflegen und in ihrer letzen Lebensphase zu begleiten ist nicht einfach, verlangt viel persönlichen Einsatz. Nicht jeder kann das tagein, tagaus leisten. Wer wirklich betroffen ist oder Betroffene kennt, weiß das nur all zu gut. In der Dankesrede ist deshalb zu Recht von den vielen helfenden Händen die Rede, die hier täglich gebraucht werden. „Hände, die pflegen und streicheln. Hände, die musizieren. Hände, die Geld angefasst und dieses Haus gestaltet haben. Hände, die untersuchen. Auch Hände, die Stullen schmieren. Auch Hände, die andere Hände halten. Hände, die anpacken. Hände, die putzen." Ihr Fazit: Hände, die Gutes tun sind etwas Wundervolles.

All diesen Menschen und gütigen Händen galt an diesem Tag der Dank. Das Besondere: der Dank wurde mit Musik überbracht. Von Birte Gäbel aus Hamburg in Form eines Wohnzimmerkonzertes „live & hautnah". Ein musikalisches Dankeschön an einem ungewöhnlichen Ort für außergewöhnliche Menschen.

Die Musik und die Texte von Birte Gäbel sind nicht weniger bemerkenswert. Sie gehen nicht selten unter die Haut. Gefühlvoll und energisch, ironisch und nachdenklich, lebenslustig und besinnlich. Ihr zentrales Thema ist der Wahnsinn des Alltags mit all seinen primitiven und erhabenen, komischen, lustigen und traurigen Momenten.

Kurzum: ein merk-würdiges Konzert unter freiem Himmel vor einem Hospiz in einem hundertjährigen Park. Dem Baumeister Ludwig Hoffmann hätte das sicher auch gefallen. Der Dank in dieser zauberhaften musikalischen Form ist sicher bei allen Helfern, Geschäftspartner und Mitarbeitern angekommen. Es ist sogar Lust auf neue Konzerte entstanden. Vielleicht wieder mit Birte Gäbel und ihrem Album „Ungeschminkt". Vielleicht wieder im LudwigPark. Zum Beispiel im neu renovierten Festsaal der Villa der Diogenes Akademie. Auf alle Fälle wieder mit Musik, die unter die Haut geht. Dr. Horst Lange